Vortragende

Norman Doidge

Norman Doidge, M.D., Psychiater und Psychoanalytiker an der Fakultät der University of Toronto. Sein Buch „Wie sich unser Gehirn selbst repariert“ wird vom Neurologen Oliver Sacks als „Faszinierend... ein bemerkenswertes und aussichtsreiches Porträt der unendlichen Anpassungsfähigkeit des Menschengehirns“ bewertet. London Times schrieb darüber „Brillant... Doidge hat einen riesigen Schub in den Grundlagen der Wissenschaft beschrieben... die Auswirkungen sind unabsehbar“. Es wurde von der amerikanischen Zeitschrift Cerebrum von Dana Brain Foundation USA als das beste allgemeine Buch über das Gehirn von 30 000 Büchern, die das Gehirn behandeln, ausgewählt. Zusammen mit seinem zweiten Buch „Wie das Gehirn heilt“ wurden diese Bücher zu internationalen- und New York Times-Bestsellern. Siehe: normandoidge.com.

WIE DAS GEHIRN HEILT

Die Entdeckung der Neuroplastizität, und zwar, dass die Gedanken und die mentale Erfahrung die Struktur und Funktion des Gehirns verändern können, ist die wichtigste Veränderung in unserer Wahrnehmung des Gehirns in 400 Jahren.

Über Jahrhunderte wurde das Gehirn entweder als eine Art Maschine wahrgenommen, der nach einer Beschädigung keine „neuen Teile nachwachsen“ können, oder, in der letzter Zeit eher so, als hätte es sich so auf die Bewusstseinsschaffung spezialisiert, dass es die Fähigkeit der Selbstheilung verloren hätte, welche andere Organe, wie die Haut, Knochen, das Blut und die Leber haben. Das führte zum neurologischen Nihilismus über viele Hirn- und psychiatrische Zustände.

In diesem Vortrag werden die Grundlagen der Neuroplastizität erklärt, es werden die grundlegenden Experimente, die sie ursprünglich bewiesen illustriert, und wir werden die drei Faktoren behandeln, die eine Zustandsverbesserung bei vielen, bis jetzt  scheinbar aussichtslosen Fällen ermöglichen. Es wird uns zeigen, dass das Gehirn seine eigene einzigartige Genesungsweise hat, welche von der, anderen Organen abweicht, und wir werden fünf Phasen der Hirngenesung erforschen. Es handelt sich dabei um die Folgenden: Korrektur der generellen zellulären und neuronalen Gesundheit, Neurostimulation, Neuromodulation, Neurorelaxation und Neurodifferenzierung.

Mittels einiger inspirativer Filme wird gezeigt, wie diese fünf, nicht invasiven Phasen, Menschen helfen können, die als unheilbar krank galten. Wir sehen uns eine ganze Reihe von Beschwerden anschauen, bei denen geholfen werden kann, wie z. B. verschiedene Formen von chronischem Schmerz, Lernstörungen, ADHD, Autismus, traumatische Gehirnverletzungen, Gehirnschlag und, falls es uns die Zeit erlaubt, Bewegungsstörungen.

Sally Goddard Blythe

Sally Goddard Blythe MSc., Direktorin des Instituts für Neurophysiologische Psychologie (INPP). Sie ist Autorin von 8 Büchern und war bei der Forschung, so wie auch der Verbreitung der postgradualen Ausbildungsgängen der INPP-Methode in weitere 14 Ländern behilflich. Sie ist auch die Autorin von Büchern und Artikeln über die kindliche Entwicklung und die Faktoren der neurologischen Entwicklung bei spezifischen Lernschwierigkeiten, wie: Überprüfung der neuro-motorischen Lernreife; Der INPP Screening Test und das INPP Schulinterventionsprogramm; Neuro-motorische Unreife bei Kindern und Erwachsenen und Der INPP Screening Test für Ärzte und Heilpraktiker. Sally hielt Vorträge über die Rolle der frühkindlichen Reflexe bei der Entwicklung und bei Lernstörungen in ganz Europa und den Vereinigten Staaten.

DAS LERNEN DER BEWEGUNG, BEWEGT ZUM LERNEN, WIE DIE PHYSISCHE ENTWICKLUNG EINE LERNGRUNDLAGE BILDET.

Primitive und posturale Reflexe in den Schlüsselphasen der Entwicklung sind die Indikatoren der Reife und der Funktionsweise des zentralen Nervensystems (ZNS). Die INPP Methode nutzt bestehende primitive und posturale Reflexe bei Schulkindern und Erwachsenen als Instrumente, mit welchen es möglich ist: a) die Funktionsweise des ZNS zu beurteilen; b) die Indikatoren der Entwicklungsreife, von der die Förderung beginnen soll, festzustellen; c) den Fortschritt zu messen.

Die Verwendung des INPP screening Tests in Schulen hat gezeigt, dass unausgereifte Reflexe sich nicht nur auf Kinder mit neurologischen Beeinträchtigungen beschränken, sondern dass sie zu einem geringeren Prozentsatz auch in der allgemeinen Population der Schulkinder im Vereintem Königreich vorzufinden sind. Bestätigt wurde auch die Korrelation zwischen unreifen motorischen Fähigkeiten und schwächeren Schulleistungen.

Die Einführung des INPP Schulprogramms hat bewiesen, dass dank der  Neuroplastizität, physische Interventionsprogramme mehr als nur physische Fertigkeiten beeinflussen. Die statistisch bedeutsame Senkung der Anzeichen von neuro-motorischer Unreife war begleitet von der Senkung der Dysfunktionen, die mit einer schlechten sozio-ökonomischer Lage in Verbindung gebracht wurden.

Sally wird auch eine Begründung darüber abgeben, warum die mit der neuro-motorischen Unreife zusammenhängenden Probleme, falls sie nicht bereits in der Kindheit identifiziert werden, zu Schwierigkeiten im Erwachsenenalter, wie z. B. Agoraphobie und Panikstörung führen können.

Manuel Dominguez Alcon

Manolo leitet sein privates Rehabilitationszentrum Istituto Fay Onlus in in Querceta in der italienischen Provinz Lucca, wo er auch als Therapeut der Neuro-motorischen Entwicklungsförderung tätig ist. Er arbeitet mit der INPP Methode und dem Johansen Hörtraining (JIAS) und er ist der nationale Prinzipal für diese beiden Methoden in Italien. Manuel und sein Team befassen sich mit den folgenden Bereichen: Behandlung von Autismus und pervasiven Entwicklungsstörungen, Gehirnlähmung, genetische Syndrome, Lernstörungen. Sie bieten auch Kurse an, für Familienmitglieder von Personen mit Entwicklungseinschränkungen, für Betreuer und Freiwillige, die sich um diese Personen kümmern. Sie erarbeiten ein umfassendes Entwicklungsberatungsprogramm und ein Beratungsprogramm bei Lernstörungen für ihre Klienten.

KÖNNEN WIR DIE NEUROLOGISCHE ENTWICKLUNG ALS EINEN KONTINUIERLICHEN PROZESS WAHRNEHMEN? ERFAHRUNGEN MIT DER ROLLE DES UNREIFEN REFLEXSYSTEMS BEI SCHWEREN STÖRUNGEN DER NEUROLOGISCHEN ENTWICKLUNG.

In unserem Institut haben wir während der letzten 20 Jahre an der Bewertung und Nutzung der Neuro-motorischen Entwicklungsförderung bei Kindern mit schweren Störungen der neurologischen Entwicklung (Zerebralparese, Störungen des autistischen Spektrums und genetische Anomalien, wie das Down Syndrom). Wir werden Ihnen unsere Erfahrungen direkt aus der klinischen Praxis und der Beobachtung vorstellen und mithilfe von drei Pilotstudien werden wir Daten über verschiedene Diagnosegruppen präsentieren, welche mit dem INPP Fragebogen und der Bewertung der primitiven und posturalen Reflexe verbunden sind. Unser Ziel ist die Beobachtung des Vorkommens der neuro-motorischen Unreife bei komplexen Störungen der neurologischen Entwicklung, um die Einschätzung und Verbesserung der Symptome besser zu verstehen.

Roksana Malak

Ihre Leidenschaft ist die Therapie der Kinder mit Entwicklungsverzögerungen. Sie ist Autorin vieler Artikel und widmet sich der frühzeitigen Intervention im Bereich der Physiotherapie und Osteopathie und arbeitet als Wissenschaftlerin an der Medizinischen Universität Posen in Polen. Sie absolvierte die folgenden Kurse: Brazelton Skala für die Bewertung des Verhaltens von Neugeborenen, Skala für die Bewertung des Verhaltens von Neugeborenen, Cambridge; NDT Bobath; Bobath Baby, General Movements (grundlegend, fortgeschritten); Sensorische Integration, FITS, PNF, Halliwick. Roksana ist eines der sechs Mitglieder des Nationalteams der Experten für Qualität und Überwachung der Prozesse der Physiotherapie in der nationalen Kammer der Physiotherapie.

DIE ROLLE DER TOMATIS THERAPIE ALS TEIL DER BEHANDLUNG VON KINDERN MIT ENTWICKLUNGSSTÖRUNGEN

Kinder mit Entwicklungsstörungen brauchen eine komplexe Therapie. Musik kann als therapeutische Intervention genützt werden. Die Tomatis Methode wird für die Behandlung von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen angewendet, so auch bei Gehirnverletzungen, oder bei Störungen mehrerer sensorischen Systeme. Die Studie hat bestätigt, dass es dank der Tomatis Therapie möglich ist, Entwicklungslesefertigkeiten zu beeinflussen.

Susanne Codoni

Susanne ist eine Fachfrau für Sprachheilpädagogik mit Ausrichtung auf die Arbeit mit schwerhörigen und gehörlosen Kindern und Logopädie. Sie ist zertifizierte Expertin in den Bereichen Craniosacraltherapie, Myofasziale Lockerung und in vielen weiteren interdisziplinären Ansätzen. Sie ist eine zertifizierte Instrukteurin für NLP und für die Myofunktionellen Therapie, wissenschaftliche Mitarbeiterin und klinische Senior Konsulentin für Mund-, Kiefer-, Gesichtschirurgie und hat das k-o-s-t Konzept entwickelt. Susanne unterrichtet als Ehrenärztin an der Medizinischen Fakultät der Universität in Basel den MAS Studiengang Cranio Facial Kinetic Science (MCFKSc). Seit Jahren arbeitet sie mit mentalen und motorisch behinderten Kindern und Erwachsenen mit Dysfunktion und Gesichtsfehlbildungen, Gesichtsverformungen nach Unfällen, Traumata oder Krankheiten.

DAS KONZEPT DER KÖRPERORIENTIERTEN SPRACHTHERAPIE K-O-S-T®

Sprech- und Sprachstörungen mit Funktionskomponenten sind bei der täglichen Arbeit eines Logopäden üblich und kommen sehr oft vor. Oft erfordern sie einen interdisziplinären Ansatz. Die Mehrheit dieser Patienten mit Sprechstörung weist eine Dysfunktion im orofazialen System auf, wie auch weitere körperliche Funktionsprobleme. Eine muskuläre Dysfunktion im Gesicht, schlechte Körperhaltung, Verzögerungen der psychomotorischen Entwicklung, schwache Wahrnehmung, Schwankungen der Konzentration und Lernstörungen sind untereinander verbunden.

k-o-s-t® ist ein pragmatisches und aktives Konzept, welches auf mehreren Jahren praxisorientierter Entwicklungsarbeit basiert und auf der Verbindung von Komplementärmedizin mit schulmedizinischer Diagnostik aufbaut. Es berücksichtigt das Wohlbefinden und die funktionellen Prozesse des ganzen Körpers, die Übereinstimmung und den kreativen Dialog des Klienten und seiner Umgebung.

Maria Matuszkiewicz

Maria Matuskiewicz, MA ist Doktorandin an der Fakultät der Psychologie der Universität für soziale und humanitäre Wissenschaften in Warschau (Polen), sie ist zugleich Psychologin und Logopädin, Therapeutin der Neuro-motorischen Entwicklungsförderung nach INPP und SI, Therapeutin des Johansen Hörtrainings (JIAS) und EMDR Therapeutin. Sie ist der INPP Prinzipal für Polen und ist verantwortlich für den INPP Jahreskurs – die Ausbildung der INPP Therapeuten in Polen. Sie ist Mitglied der American Speech-Language-Hearing Association (ASHA). Ihr Hauptinteresse im Forschungs- und Therapiebereich ist die Beziehung zwischen der neuro-motorischen Unreife, den Sprachentwicklungsstörungen und Angstzuständen.

SPEZIFISCHE SPRACHSTÖRUNGEN UND DAS NIVEAU PERSISTIERENDER FRÜHKINDLICHER REFLEXE BEI KLEINKINDERN

Sprachentwicklungsstörungen (SES) können bei Kindern beobachtet werden, die – ohne besonderen Grund und ohne schwerwiegende kognitive, auditive, umweltbedingte oder neurologische Defizite – ihre sprachlichen Fähigkeiten nicht adäquat entwickeln. Ziel der Forschung war zu ermitteln, ob das Niveau der nicht inhibierten frühkindlichen Reflexe in einer Gruppe von Kindern mit SES im Vergleich zu sich normal entwickelnden Kindern erhöht ist. Die Schlussfolgerung war, dass persistierende frühkindliche Reflexe ein wichtiger Faktor bei SES sind. Kinder mit Sprachentwicklungsstörungen neigen dazu, ein sich langsamer entwickelndes Nervensystem zu haben.

Ted Pawloff

Ted Pawloff hat in seiner Jugend verschiedene spirituelle Richtungen erforscht. Ab dem Alter von 14 Jahren lebte er in Großbritannien, wo er später einen erfolgreichen Betrieb gegründet hat. Im Alter von 45 Jahren erlangt er den Titel im Bereich der Psychologie, wobei er sich von der Neuropsychologie der Emotionen, der Verkörperung und des Bewusstseins angezogen fühlte. Jahrelang organisierte er Workshops und unterrichtete die Arbeit mit der Stimme. Bei Peter Blythe hat er eine Fortbildung im Bereich der Neuro-motorischen Entwicklungsförderung absolviert. Bereits seit 20 Jahren arbeitet er in seinem Heimatland, Österreich, wobei er viel Erfahrung mit erwachsenen Klienten gesammelt hat. Er ist auch als Psychotherapeut tätig und hat eine Ausbildung in der Paartherapie Imago. Sein Interesse an der Verkörperung hat ihn dazu gebracht, Lehrer der Alexandertechnik und Vortragender der TRE-Übungen zur Lockerung von Traumata (Trauma Releasing Exercises) zu werden.

SCHLÜSSELFAKTOREN DER UNTERSTÜTZUNG BEI ERWACHSENEN KLIENTEN IM PROZESS DER NEUROLOGISCHEN ENTWICKLUNGSÄNDERUNG

Wir beginnen mit den Wirkungen des fortbestehenden Rückzugs- und/oder Moro-Reflexes, wir beurteilen einige Mappen und Modelle, die uns helfen werden, ihre langfristigen Auswirkungen auf die erwachsenen Klienten zu verstehen. Dazu zählen die Bindungstheorie, die polyvagale Theorie und die psychodynamische Entwicklungstheorie.

Die Auswirkungen der neuro-motorischen Unreife können einen allgegenwärtigen negativen Einfluss auf das Leben der erwachsenen Klienten haben. Die Bindungstheorie, die Polyvagal-Theorie und die Psychodynamische Entwicklungstheorie erklären detailliert, wie ihre Selbstwahrnehmung, ihre Wahrnehmung sozialer Interaktionen und der Welt generell beeinflusst werden. Auf diese Weise können wir die Verschiedenartigkeit und die Tiefe der präsentierten Probleme verständlich machen. Hierzu zählen: sich wiederholende und/oder dauerhaft präsente negative Gefühle, die von Depression bis zur unkontrollierbaren Aggression reichen,  geschwächtes Selbstwertgefühl, maladaptive Verhaltensweisen, welche sowohl auf die privaten, wie auch auf die beruflichen Beziehungen störenden Einfluss haben können, die Gesundheit, wie auch die Lebenserwartung schwächen können, als Folge vom Langzeitstress.

Wir sehen uns anhand von Beispielen an, wie diese Modelle praktisch in der therapeutischen Beziehung genützt werden können. Dies wird zur Aufklärung der entscheidenden Rolle des Therapeuten führen: Seine Hauptfunktion ist es, eine geborgene Beziehung zu unterstützen. Das ermöglicht dem Klienten sich Schritt für Schritt zu öffnen und sich selbst, samt der eigenen Schwierigkeiten zu verstehen und das in einer tiefgreifenden, mitfühlenden Weise.

Wenn sich der Zustand von Geborgenheit und Behagen mit zunehmender Verlässlichkeit wiederholen, geht der erwachsene Klient die Welt um sich herum allmählich mit positiven Gefühlen und Akzeptanz an. Wenn sein neues Verständnis seine Selbstwahrnehmung und die Wahrnehmung seiner Welt transformiert, internalisiert es sich und beginnt von ihm aus in die Richtung Anderer ausgestrahlt zu werden.

Marina de Santiago Buey

Marina de Santiago Buey ist diplomierte Spezialistin im Bereich der Logopädie und widmet sich weiter der Forschung im Bereich neurologischer Grundlagen der Lern-, Lese- und Verhaltensauffälligkeiten. Bei ihrer Arbeit hat sie die spezifischen Bedürfnisse von Adoptivkindern näher kennengelernt, die anders als bei anderen Kindern zu sein schienen. Dank der Kenntnisse, die sie bei dem INPP Jahreskurs gewonnen hat, war sie fähig, einige dieser Schwierigkeiten und ihre Ursachen zu verstehen. Diese Schwierigkeiten, denen sie begegnet ist, motivierten sie zur Entscheidung, ihr Wissen über das elektrische Funktionieren des Gehirns, im Besonderen das QEEG als Maßstab der normalen oder pathologischen Gehirnfunktionen, und über das Neurofeedback als therapeutisches Instrument zu vertiefen.

DIE KOMPLIZIERTE SYMPTOMATOLOGIE VON ADOPTIVKINDERN. DIE BEDEUTUNG DES QEEG ALS EINES ZUSATZINSTRUMENTS FÜR DIE ERARBEITUNG EINES BEHANDLUNGSPROFILS, WELCHES INPP UND NEUROFEEDBACK (BIOFEEDBACK) KOMBINIERT

Angesichts der großen Defizite, welche Adoptivkinder und institutionalisierte Kinder in ihrer Kindheit erlitten, finden wir unter ihnen solche, die sehr ernsthafte Probleme haben, welche in anderen Zielgruppen meistens nicht vorzufinden sind. Neuere Studien haben bewiesen, dass die Prävalenz von ADHD, Lernproblemen und psychiatrischen Störungen in dieser Zielgruppe viel höher ist.

Therapeuten, die mit diesen Kindern arbeiten, begegnen bei der INPP Therapie einigen zusätzlichen Schwierigkeiten, wie z. B. einer hohen Wahrscheinlichkeit der Auslösung von Nebenwirkungen am Anfang der Behandlung, anspruchsvollen, reizbaren und manchmal sogar aggressiven Persönlichkeiten, wie auch Symptomen, wie Hyperkinese oder Impulsivität, die sich mit der Behandlung anscheinend nicht positiv entwickeln.

QEEG, oder Brain Mapping genannt, ist eine nicht invasive Technik, die den Therapeuten die Erforschung der Gehirnaktivität durch das Messen der elektrischen Aktivität von jedem Gehirnbereich ermöglicht und einen Vergleich mit der normativen Datenbank gemäß Alter und Geschlecht bietet. Dieser Test ermöglicht die Erforschung der Ursachen, also warum diese zusätzlichen Schwierigkeiten in der Population von Adoptivkindern  vorkommen. Das Neurofeedback als eine wirksame Technik der Modulation dieser Gehirnaktivität in Kombination mit der INPP Therapie kann im Prozess der Überwindung dieser Schwierigkeiten behilflich sein.

Ivan Juráš

War als Arzt in einer Kinderklinik tätig, absolvierte den „Postgradual training course on neurodevelopmental delay“ im Institut für Neuro-Physiologische Psychologie, in Chester, UK, ist Gründer und Berater der privaten Montessori Grundschule mit Kindergarten in Bratislava. Ehemaliges Vorstandsmitglied von Montessori Europe und Generaldirektor des Zentralamtes für Arbeit, Soziales und Familie. Externer Berater von zwei Bildungsministern. Seit 1990 Gründer und Manager mehrerer Gesellschaften in diversen Bereichen (Medizin, Chemie, Warenvertrieb, Dienstleistungen). Wissenschaftlicher Direktor von Lambda Life a.s., aktives Mitglied des Instituts für Psycho- und Soziotherapie, Gruppenleiter in Encountergruppen, Fazilitator für Harmonisierung des Familiensystems. Fachlicher Garant für die INPP-Methode für die Slowakei und Tschechien. Hält Vorträge über die Neurophysiologie, diverse Medizin- und Bildungsbereiche, Inklusion und Persönlichkeitsentwicklung.

BIOLOGIE DES MENSCHEN VERSUS TECHNOLOGIEN (AUSWIRKUNGEN DES DIGITALEN ZEITALTERS)

Das menschliche Lernen ist ein lebenslanger Prozess. Dieser erfolgt parallel zur Entwicklung des Individuums als Ergebnis von Entwicklungsprozessen in der Funktionsweise des Organismus, des Nervensystems und des Gehirns. Die jüngsten Erkenntnisse deuten darauf hin, dass auch die Entwicklung des Nervensystems, insbesondere des Gehirns, ein lebenslanger Prozess ist. Dies ist die Grundlage der menschlichen Anpassungsfähigkeit. Diese Prozesse werden durch die Umwelt und die Art der Lebensführung beeinflusst. Neurophysiologische und neuropsychologische Erkenntnisse deuten darauf hin, dass der technologische Fortschritt oft negative, manchmal sogar zerstörerische Auswirkungen auf diverse Körperfunktionen und damit auch auf die Gesellschaft insgesamt hat. Das ist insbesondere auf das unterschiedliche Tempo der Technologieentwicklung im Vergleich zur phylogenetischen Anpassung von lebenden Organismen zurückzuführen. Wir werden verschiedene Aspekte dieses Themas diskutieren und werden versuchen zu erklären, warum

Viera Lutherová

Psychologin und Lehrerin mit langfristigen Erfahrungen bei der Arbeit mit Kindern mit speziellen Erziehungs- und Bildungsbedürfnissen. Sie betreibt eine private psychologische Beratungspraxis. Viera ist zertifizierte INPP Therapeutin und gleichzeitig die Koordinatorin für die INPP Methode in der Slowakei. Sie arbeitet auch mit den Methoden der Bilateralen Integration, HANDLE und des Hörtrainings (JIAS und Tomatis). Sie widmet sich der individuellen Neuro-entwicklungstherapie von Kindern mit Entwicklungsstörungen, psychischen und schulischen Schwierigkeiten. Viera ist Vortragende und Lektorin von Programmen für helfende Professionen und publiziert regelmäßig fachliche und populärwissenschaftliche Artikel in Zeitschriften. Über lange Zeit ist sie Mitglied des Instituts für Psychotherapie und Soziotherapie.

ZUSAMMENHÄNGE ZWISCHEN DER PHYSISCHEN AKTIVITÄT, DEN KOGNITIVEN FUNKTIONEN UND DER AKADEMISCHEN LEISTUNG

Die Menschheit hat unter dem Einfluss der Entwicklung von unterschiedlichsten Vereinfachungen als Hilfestellung für unsere Zivilisation, das Ausmab der physischen Aktivität und der Energieausgabe, die sie zum Überleben gebraucht hat, dramatisch reduziert. Die Entwicklung der digitalen Technologien in den letzten Jahrzehnten beschleunigt diesen Trend. Gleichzeitig sind wir Zeugen einer deutlichen Zunahme von Entwicklungsstörungen und schulischen Schwierigkeiten in der Kinderbevölkerung in den letzten 20 Jahren. Die Anzahl von Studien, welche zeigen, dass die physische Aktivität und Tüchtigkeit mit der Qualität der akademischen Leistungen in allen Altersgruppen korrelieren, nimmt zu. Experimentelle Studien deuten an, dass die Erhöhung der Menge an physischer Aktivität im täglichen Regime, einen positiven Einfluss auf die Qualität der Aufmerksamkeit und der akademischen Leistung hat, und die Probleme beim Verhalten der gängigen Schulpopulation aller Altersgruppen reduziert. Diese Wirkung ist bei Kindern mit schulischen Problemen deutlicher. In der Schule und in der Arbeit sitzt der Körper, nicht das Gehirn. Durch den Körper nehmen wir Informationen auf, durch die physische Bewegung werden im Körper neuronale Netze zu ihrer Verarbeitung gebildet und durch den Körper realisieren wir die gewonnenen Kenntnisse. Der Körper ist nicht nur der Ständer für den Kopf, sondern ein mächtiges Instrument zur kognitiven Entwicklung.

Beatriz Aguilar Guerrero

Beatriz Aguilar Guerrero ist eine lizenzierte INPP Expertin. Von Beruf ursprünglich Lehrerin mit der Motivation, Ursachen von Lernschwächen zu erforschen. Studierte im postgradualen Studium angewandte kognitive Wissenschaften, pädiatrische klinische Neuropsychologie und Neuropsychologie und Bildung an der Universität von Malaga und der Internationalen Universität von La Rioja. An einer Londoner Schule entdeckte sie die Wirkungen des INPP Schulinterventionsprogramms. Später wurde sie von der Direktorin der internationalen Montessori Schule in Malaga angesprochen. Seitdem praktiziert Beatriz das INPP Schulinterventionsprogramm mit den Schülern dieser Schule und arbeitet zugleich mit Reflexhemmung in ihrer eigenen Praxis Neuroaprende. An der Universität von Malaga erforscht sie, wie Reflexe den Lernprozess bei den Kindern beeinflussen.

ANWENDUNG DES INPP SCHULINTERVENTIONSPROGRAMMS IN DER INTERNATIONALEN MONTESSORI SCHULE IN MALAGA

Die internationale Montessori Schule in Malaga nimmt die Bildung ihrer Schüler als einen natürlichen Prozess wahr, welcher sich an eine normale, spontane Entwicklung des Kindes stützt, wobei die Erfahrungen aus der Umgebung genützt werden. Kinder lernen frei, im Einklang mit ihrer inneren Entwicklung, in der Umgebung einer organisierten Schulklasse, wo sie ihre eigene Motivation zur Organisation ihrer Bildung finden und ihre Fähigkeiten zeigen.

In diesem Umfeld haben wir das INPP Schulinterventionsprogramm eingeführt, um festzustellen, ob wir den Montessori-Schülern helfen können, ihre Bildungskapazitäten besser zu entfalten. Das Programm wurde vom 30. Oktober 2017 bis 14. Juni 2019 eingesetzt, dem Programm haben sich fünfundachtzig Schüler, 44 Jungen und 41 Mädchen im Alter von 4 bis 11 Jahren angeschlossen.

Wir haben angenommen, dass wir bei der einleitenden Bewertung zum Programmbeginn ein deutliches Vorkommen von primitiven Reflexen beobachten werden, und zwar so in der Testgruppe als auch in der Kontrollgruppe. Wir haben auch angenommen, dass sich zum Programmende die primitiven Reflexe, genauso wie die neuro-motorischen Kapazitäten der Kinder verbessern werden, und dass die Verbesserung der Kinder in ihren Studienkapazitäten auch für die Lehrer und Eltern ersichtlich wird.

Die Ergebnisse zeigen, dass sich beide Gruppen insgesamt bedeutend verbessert haben, aber die Testgruppe ein wesentlich höheres durchschnittliches Niveau als die Kontrollgruppe hatte.

Tatjana Hošková

Sie absolvierte das Studienfach Diplom-Optometrist an der Fachhochschule für Optik und Optometrie in Köln am Rhein. Sie hat die Prüfungen aus Behavioral Optometrie bei WVAO (Wissenschaftliche Vereinigung für Augenoptik und Optometrie) in Mainz abgelegt. Tatjana hat ihre Praxis in Deutschland betrieben und ist ab 2012 in Bratislava in der Augenoptik Fokus tätig, wo sie visuelles Training anbietet. Sie ist ein Vorstandsmitglied der Optikerunion in der Slowakei und unterrichtet an der medizinischen Mittelschule in Bratislava im Studienfach Augenoptik.

FUNKTIONALOPTOMETRIE – DYNAMISCHER PROZESS DES SEHENS

Funktionaloptometrie (bzw. Behavioraloptometrie) befasst sich mit Funktionsstörungen des visuellen Systems, also nicht des Sehens selbst, sondern auch der Gesamtwahrnehmung in der Reaktion auf das Umfeld. Der Vortrag informiert über verschiedene Sehstörungen im Kindesalter, ihre Ermittlung und vorgeschlagene Therapie, und darüber, wie die interdisziplinäre Behandlung bei Entwicklungsfehlern im Kindesalter verläuft.

Sigrid Graumann-Brunt

Sie arbeitet in eigener Praxis für Sprach-, Entwicklungs- und Psychotherapie in Buchholz in der Nordheide mit Personen aus allen Altersgruppen. Die Klienten kommen mit einem breiten Spektrum an Störungen in die Praxis. Aspekte der neurophysiologischen Entwicklung sind seit der Weiterbildung bei Thake Hansen-Lauff unverzichtbare Anteile einer ganzheitlich orientierten Diagnose und Therapie. Vorhandene therapeutische Konzepte konnten so erweitert und verbessert werden. Sie ist eine Sprachheilpädagogin und eine Psychologin mit dem Fachgebiet Testkonstruktion und Grundlagenforschung. Zu verschiedenen Themen der kindlichen Entwicklung äußert sie sich in Fachartikeln und auf Vorträgen.

Diagnose persistierender frühkindlicher Reflexe im Rahmen einer ganzheitlich orientierten Sprachtherapie – vier Fallstudien

Für gewöhnlich sind es Kinder oder Jugendliche, die zur Behandlung persistierender frühkindlicher Reflexe in eine dafür spezialisierte Praxis kommen.

In der Psychotherapie, aber auch in der Sprach-, Physio- und Ergotherapie ist es anders. Dort suchen Klienten zunächst nicht wegen eines Persistierens frühkindlicher Reflexe nach therapeutischer Hilfe. In der Diagnose wird bei einem ganzheitlichen Vorgehen dann deutlich, dass Reste aus frühkindlicher Zeit nicht nur vorhanden, sondern vielfach Teil der bestehenden Probleme sind. Zusammen bilden sie einen schwer durchschaubaren Störungskomplex. Ziehen wir nun Wissen um das Wesen frühkindlicher Reflexe hinzu, so sehen wir, dass es sich um mehr als nur um einen weiteren Teilaspekt handelt. Es sind Störungen aus der frühesten Lebenszeit, die sich lebenslang auf die gesamte Entwicklung und somit äußerst verhängnisvoll auswirken.

Fakt ist, dass wir Probleme, die aus persistierenden frühkindlichen Reflexreaktionen resultieren, in der Therapie nicht einfach außer Acht lassen können – nicht nur aus ethischen Gründen. Oft sind die Folgen von solchen Störungen mit dem Kern des Problems so verwachsen, dass wir Gefahr laufen, Kompensationen zu fördern, wenn wir diesen Aspekt nicht beachten.

Das Problem berührt Grundsätze des therapeutischen Arbeitens in inhaltlicher und berufsspezifischer Hinsicht. Hierbei sind zwei Vorgehensweisen denkbar: die Hinzuziehung eines spezialisierten Fachmanns als Ergänzung zu einer bereits laufenden Therapie oder Therapeuten mit zusätzlichen Kompetenzen auf diesem Gebiet. Wie die Struktur einer logopädischen Diagnose davon beeinflusst werden kann, wird an vier Fällen aufgezeigt. Bei diesen Fällen sind im Rahmen einer ganzheitlich orientierten Sprachtherapie Restreaktionen persistierender frühkindlicher Reflexe einbezogen worden. Das ganzheitliche Herangehen bietet die Grundlage für deren Berücksichtigung im Rahmen der Diagnose und Therapie in besonderem Maße.